Manchmal braucht es nur einen einzigen Schritt, um aus einem wunderschönen Urlaub einen Albtraum zu machen. Und manchmal braucht es offenbar gleich zwei Schutzengel, damit man anschließend noch davon erzählen kann.

Ein ganz normaler Urlaubsabend

Es war der 29. September 2026. Wir waren im Aldiana Club Naga Bay in Ägypten, genossen unseren Urlaub, hatten gerade zu Abend gegessen und wollten noch ein bisschen tanzen.

Gegen 21:50 Uhr gingen wir auf die Tanzfläche. Die Musik lief, die Stimmung war gut, wir tanzten vielleicht zwei Minuten.

Und dann?

Nichts. Filmriss.

Meine nächste Erinnerung besteht aus einzelnen Bruchstücken eines Krankentransports. Ich weiß noch, dass ich mehrfach gefragt habe, was eigentlich passiert sei. An die Antworten erinnere ich mich nicht wirklich.

Was in der Zwischenzeit geschah, musste ich mir in den folgenden Tagen von meiner Begleitung und mehreren Ersthelfern erzählen lassen.

Der erste Schutzengel: 1,50 Meter zwischen Glück und Katastrophe

Beim Tanzen hatte ich mich mehrfach vorwärts und rückwärts bewegt. Bei einem dieser Rückwärtsschritte geriet ich über eine niedrige seitliche Mauer am Rand der Tanzfläche.

Dahinter ging es ungefähr anderthalb Meter in die Tiefe.

Ich stürzte rückwärts hinunter und schlug mit dem Hinterkopf auf.

Meine Begleiterin sah mich unten auf dem Rücken liegen. Ich reagierte zunächst nicht auf ihre Ansprache, rang auffällig nach Luft und zeigte Bewegungen, die auf die anwesenden Helfer krampfartig wirkten.

Die Musik wurde gestoppt, der DJ rief über das Mikrofon nach medizinischer Hilfe.

Was mich heute noch beschäftigt: In diesem tieferliegenden Bereich hätten auch Stühle oder metallische Halterungen für Sonnenschirme stehen können. Ein Aufprall darauf hätte vermutlich noch ganz andere Verletzungen verursacht.

Ich muss dabei unweigerlich an Jo Deckarm denken. An jenen großartigen deutschen Handballer, dessen Leben durch einen schweren Sturz und eine massive Kopfverletzung im Jahr 1979 für immer verändert wurde.

Natürlich sind unsere Unfälle und Verletzungen nicht gleichzusetzen. Aber als Handballer weiß ich, welche Bedeutung sein Schicksal für unseren Sport hat.

Und plötzlich wird einem bewusst, wie dünn die Grenze zwischen einem glimpflichen Ausgang und einer lebensverändernden Katastrophe manchmal sein kann.

Mein erster Schutzengel hatte offenbar einiges zu tun.

Der zweite Schutzengel: Menschen, die nicht einfach weggesehen haben

Was anschließend geschah, weiß ich überwiegend aus den Schilderungen der Menschen, die mir geholfen haben.

Besonders dankbar bin ich Julia Börner, einer Stewardess, die als Ersthelferin zu mir kam. Gemeinsam mit weiteren Helfern, darunter einem Medizinstudenten und einem Polizisten, kümmerte sie sich um die Situation.

Die Helfer hatten es nicht leicht. Während die Tanzfläche selbst beleuchtet war, lag der Bereich unterhalb der Mauer weitgehend im Dunkeln. Julia musste sich von Wiebke ihr Smartphone geben lassen, um die Verletzungen mit dessen Taschenlampe besser erkennen zu können.

Meine Kopfverletzung blutete erheblich. Ich konnte Fragen nach dem Aufenthaltsort, dem Jahr und sogar nach dem Namen meiner Begleitung zunächst nicht beantworten.

Julia schilderte mir später, dass sie den medizinischen Verantwortlichen ausdrücklich darauf hingewiesen habe:

„He is disoriented.“ – Er ist desorientiert.

Trotzdem wurde nach den mir berichteten Abläufen zunächst erwogen, mich zu Fuß zum medizinischen Raum des Hotels gehen zu lassen.

Julia setzte sich dafür ein, dass ich wenigstens mit einem Golfcart transportiert wurde.

Im medizinischen Raum erhielt ich einen neuen Kopfverband und eine Infusion. Auch dort hatte Julia nach eigener Aussage zunächst den Eindruck, dass ich anschließend zurück auf mein Hotelzimmer gebracht werden sollte.

Sie drängte Wiebke deshalb, auf einer Untersuchung im Krankenhaus zu bestehen.

Noch bevor Wiebke entsprechend tätig werden musste, erschienen glücklicherweise die Sanitäter und brachten mich in ein externes Krankenhaus.

Ich möchte ausdrücklich betonen: Die Beteiligten schildern einzelne Abläufe unterschiedlich. Der Hotelarzt erklärte mir später beispielsweise, dass ich bei seiner Untersuchung bereits wieder orientiert gewesen sei und er meine Kopfverletzung schon an der Unfallstelle abgedeckt habe. Dass die Wunde beim Golfcart-Transport abgedeckt war, hat Julia inzwischen bestätigt.

Was medizinisch in jeder einzelnen Minute richtig oder falsch war, kann und will ich nicht abschließend beurteilen.

Aber eines steht für mich fest:

Menschen wie Julia haben hingeschaut, nachgefragt, widersprochen und sich für mich eingesetzt. Dafür bin ich unglaublich dankbar.

Das war für mich mein zweiter Schutzengel.

13 Nähte und eine Nacht im Krankenhaus

Im Aseel Medical Care Hospital wurde schließlich deutlich, dass die Kopfverletzung keineswegs harmlos war.

Die große Platzwunde am Hinterkopf musste mit fünf inneren und acht äußeren Nähten chirurgisch verschlossen werden.

Es folgten CT-Untersuchungen von Kopf, Halswirbelsäule sowie Bauch und Becken. Außerdem wurde mein verletzter Ellenbogen untersucht.

Die erfreuliche Nachricht: Nach den ärztlichen Befunden waren keine offensichtlichen schwerwiegenden strukturellen Verletzungen festgestellt worden.

Die Diagnose lautete dennoch:

Post-Concussion – Gehirnerschütterung beziehungsweise leichtes Schädel-Hirn-Trauma.

Ich blieb zur Überwachung meines Bewusstseinszustands und meiner Vitalwerte im Krankenhaus.

Hinzu kamen eine Schürfwunde am Ellenbogen und ein gewaltiges Hämatom an der rechten Gesäßhälfte, das in den folgenden Tagen zunehmend sichtbar wurde.

Der Urlaub war damit praktisch vorbei

Statt Strand, Meer, Sport und Erholung standen nun Medikamente, Verbandwechsel, Arztkontakte und viel Ruhe auf dem Programm.

An manchen Tagen fühlte ich mich recht gut, an anderen kamen Kopfschmerzen, Schwindel und eine ungewöhnliche Müdigkeit hinzu.

Selbst beim normalen Gehen spürte ich zeitweise jeden festeren Schritt als unangenehme Erschütterung.

Wiebke hatte sich ihren Urlaub sicherlich ebenfalls anders vorgestellt. Statt entspannter gemeinsamer Tage musste sie sich Sorgen machen, Krankenhausbesuche organisieren, persönliche Dinge besorgen und mir bei der Versorgung der Verletzungen helfen.

Erst am 7. Oktober erhielt ich die ärztliche Freigabe für unseren Rückflug.

Ein „Fit to fly“ bedeutet allerdings nicht automatisch „wieder gesund“.

Und was sagt Aldiana dazu?

Ich habe den Vorfall noch während unseres Aufenthalts sowohl Aldiana als auch unserem Reiseveranstalter DERTOUR schriftlich gemeldet.

Dabei ging es mir zunächst nicht um eine bestimmte Entschädigung, sondern vor allem darum, zu verstehen, was passiert war – insbesondere während jener Zeit, an die ich mich selbst nicht erinnern kann.

Inzwischen fand ein ausführliches Gespräch mit der Clubleitung statt.

Dabei wurde bestätigt, dass es eine Videoaufzeichnung des Sturzes gibt und diese gesichert wurde. Die Aufnahme zeigt nach Beschreibung der Clubleitung meine Vorwärts- und Rückwärtsbewegungen beim Tanzen und den anschließenden Sturz über die Mauer. Eine Fremdeinwirkung war demnach nicht zu erkennen.

Die Clubleitung erklärte außerdem, dass die Gefährdung durch diese Stelle zuvor nicht in diesem Ausmaß erkannt worden sei. Nach meinem Unfall wurden dort Blumenkästen als erste zusätzliche Absicherung aufgestellt.

Das begrüße ich ausdrücklich.

Gleichzeitig bleiben für mich Fragen zur medizinischen Erstversorgung offen. Insbesondere die unterschiedlichen Aussagen über meinen Orientierungszustand und die Entscheidungen zum Transport konnten auch im Gespräch nicht vollständig aufgeklärt werden.

Aldiana hat sich für die verzögerte persönliche Kontaktaufnahme entschuldigt, uns Unterlagen zur Verfügung gestellt und Unterstützung bei der weiteren Aufarbeitung angeboten.

Ich möchte das fairerweise ausdrücklich erwähnen.

Ob und welche Konsequenzen sich aus dem Unfall ergeben, wird sich erst später klären lassen.

Was bleibt?

Zunächst einmal Dankbarkeit.

Dankbarkeit dafür, dass ich nach diesem Sturz überhaupt noch hier sitze und diesen Beitrag schreiben kann.

Dankbarkeit gegenüber Wiebke, die in einer unglaublich belastenden Situation an meiner Seite war.

Und Dankbarkeit gegenüber den Menschen, die geholfen haben – besonders denen, die nicht nur zugeschaut, sondern Verantwortung übernommen und auch einmal widersprochen haben und sich an meinem Blut die „Hände schmutzig“ gemacht haben.

Natürlich bleiben Fragen. Zur Unfallstelle, zur Erstversorgung und dazu, wie solche Situationen künftig verhindert oder besser bewältigt werden können.

Aber vor allem bleibt eine Erkenntnis:

Gesundheit ist nichts Selbstverständliches. Und manchmal entscheidet ein einziger Schritt darüber, wie das eigene Leben weitergeht.

Mein Schutzengel hatte an diesem Abend offenbar Unterstützung mitgebracht.

Vielleicht waren es tatsächlich zwei.

Michael Albrecht, Oktober 2026

Nachtrag: Dieser Beitrag schildert meine persönlichen Erlebnisse, die mir berichteten Beobachtungen beteiligter Ersthelfer sowie den zum Zeitpunkt der Veröffentlichung bekannten medizinischen Verlauf. Die Aufarbeitung des Unfallgeschehens ist noch nicht abgeschlossen.

Zwei Schutzengel in Ägypten – ein Sturz, der ganz anders hätte enden können
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