Ein letzter Sieg, ein Meister als Gast und ein Saisonabschluss, der bleiben wird
Zum letzten Saisonspiel empfing die Zweite Herren des SV Werder Bremen den bereits feststehenden Meister TuS Komet Arsten II in der Klaus-Dieter-Fischer-Halle. Sportlich war für die Gäste die große Frage längst beantwortet, denn Arsten stand bereits vor dem Anpfiff als Meister der Regionsklasse Männer Süd fest.
Trotzdem entwickelte sich am Samstag ein Spiel, das alles hatte, was Handball ausmacht: Tempo, Emotionen, Zweikämpfe, kleine Nickligkeiten, große Comeback-Momente — und am Ende einen 33:32-Heimsieg für Werder.





Dabei war die Begegnung von Anfang an mehr als nur ein normales Saisonfinale.
TuS Komet Arsten reiste zwar nur mit neun Spielern an, brachte aber jede Menge Qualität und Spielfreude mit. Außerdem war es ein Wiedersehen unter Freunden: Lenz Albrecht hatte mit vielen Spielern dieser Arstener Truppe bereits in der A-Jugend zusammengespielt. Entsprechend herzlich war das Miteinander vor und nach der Partie — auf dem Feld allerdings wurde sich nichts geschenkt.
Werder erwischte zunächst einen guten Start und führte schnell mit 2:0. Danach übernahm Arsten aber immer mehr die Kontrolle. Vor allem Colin Anders war kaum zu bremsen und stellte die Werder-Abwehr immer wieder vor Probleme. Mitte der ersten Halbzeit setzte sich der Meister Stück für Stück ab, und zur Pause sah es beim Stand von 15:21 aus Werder-Sicht alles andere als nach einem Heimsieg aus.
Doch diese Mannschaft hat in dieser Saison schon häufiger gezeigt, dass sie sich nicht einfach aus einem Spiel verabschiedet. Nach dem Seitenwechsel begann Werder, sich Tor um Tor heranzuarbeiten. Helge Hommers, Romain Lux, Thorsten Rolfs und Lenz Albrecht brachten die Grün-Weißen wieder in Schlagdistanz. Aus einem zwischenzeitlichen 18:24 wurde ein 23:25, und plötzlich war die Halle wieder da.
Ein emotionaler Knackpunkt war sicher die Szene in der 44. Minute, als Jan Kattner auf Rechtsaußen hart gegen Colin Anders einstieg. Die Aktion war mindestens grenzwertig und hätte wohl auch anders bewertet werden können. Es blieb bei einer Zeitstrafe — und irgendwie wirkte genau dieser Moment wie ein Weckruf. Nicht unbedingt schön, aber in diesem intensiven Spiel vielleicht der Punkt, an dem endgültig klar war: Werder will dieses letzte Spiel nicht einfach herschenken.
Von da an kämpfte sich die Mannschaft immer weiter zurück. Beim 28:28 war der Ausgleich geschafft, kurz darauf ging Werder erstmals wieder in Führung. In der Schlussphase blieb es eng, wild und spannend. Thorsten Rolfs verwandelte sicher vom Siebenmeterpunkt, Marinus Pfaff traf kurz vor Schluss zum 33:31, und auch der letzte Arstener Treffer zum 33:32 änderte nichts mehr am Werder-Sieg.
Beste Werder-Torschützen waren Thorsten Rolfs mit acht Treffern, davon zwei Siebenmeter, und Helge Hommers mit sieben Toren. Für Arsten ragte Colin Anders mit zwölf Treffern heraus. Am Ende stand ein knapper, aber verdient erkämpfter 33:32-Erfolg gegen einen starken Meister.
In der Schlussphase gab es dann noch eine kleine Geschichte in der Geschichte. Arstens überragender Colin Anders, der Werder mit insgesamt zwölf Treffern immer wieder vor große Probleme gestellt hatte, fehlte am Ende nur ein einziges Tor, um alleiniger Torschützenkönig der Liga zu werden. Doch genau diesen Moment verhinderte Werder-Keeper Joscha Eilers.
Erst parierte er einen Siebenmeter von Anders, später entschärfte er auch noch einen Rückraumwurf des Arstener Torjägers. Sportlich bitter für Colin, aus Werder-Sicht natürlich ein kleines Highlight mit Augenzwinkern: Joscha vermasselte ihm die ganz große persönliche Krönung — und trug damit entscheidend dazu bei, dass Werder den knappen 33:32-Heimsieg über die Zeit brachte.
Nach dem Schlusspfiff war alles, was im Spiel vielleicht etwas heißer gekocht wurde, sofort wieder vergessen. Genau so soll es sein. Hände wurden geschüttelt, gelacht, abgeklatscht — und danach ging es gemeinsam zum Saisonabschluss.
Denn dieser Abend war nicht nur das letzte Spiel der Saison, sondern auch ein besonderer Tag für mich, dem Mannschaftsverantwortlichen, da ich meinen 55. Geburtstag feierte. Eingeladen waren nicht nur die eigene Mannschaft und die Werder-Bubble, sondern auch die Gegner samt Begleitung sowie der Schiedsrichter. Aus einem Handballspiel wurde ein gemeinsamer Abend in der Halle — mit Bier, Wurst, Salaten und allem, was viele Spieler, Freunde und Unterstützer beigesteuert hatten.
Nach einer langen Saison wurde gegrillt, erzählt, gelacht und gesungen. Ich wurde von meinem Team außerdem mit einem Pokal als bester Mannschaftsverantwortlicher ausgezeichnet und bekam ein tolles Geburtstagsgeschenk überreicht.
Für mich wurde der Abend damit zu weit mehr als einem Saisonabschluss: Es wurde eine dieser Feiern, die man nicht plant, sondern die einfach entstehen, weil die richtigen Menschen zur richtigen Zeit zusammenkommen. Es war die schönste Geburtstagsparty meines Lebens.
Viele gute Gespräche, viele Freunde, viel Musik, viel Lachen — und dazu ein letzter Heimsieg gegen den Meister. Mehr kann man sich für einen Saisonabschluss kaum wünschen.
Am Ende blieb nicht nur das 33:32 auf der Anzeigetafel, sondern vor allem das Gefühl: Diese Mannschaft ist mehr als nur ein Team. Und dieser Geburtstag war einer, der ganz sicher in Erinnerung bleibt.
