Wer bei „Bruchhausen-Vilsen“ noch entspannt bleiben kann, hat entweder ein sehr kurzes Gedächtnis oder war beim Hinspiel nicht dabei. Da gab’s nämlich nicht nur eine ordentliche Packung, sondern auch diesen ganzen Zirkus: blaue Karte, wieder einkassiert, viel Ärger, viel Diskussion, viel “wie kann das denn jetzt sein?!” – und am Ende dieses Gefühl von „alles eskaliert, nur wir nicht“.
Dieses Mal war die Ansage klar: Wir spielen Handball – und nicht Theater. Und vor allem: Wir lassen uns nicht wieder so aus der Halle schieben.
Start: Diesmal nicht wieder „hinterherlaufen“
Und genau so sind wir auch reingegangen. Keine Schockstarre, kein „erstmal gucken“, sondern ordentlich Dampf. Vorne wurde gearbeitet, hinten wurde zugepackt – und ich sag’s wie’s ist: Das war über weite Strecken reif, kontrolliert und genau die Sorte Revanche, die Spaß macht.
Bruchhausen-Vilsen hat natürlich versucht, uns wieder in dieses Chaos-Spiel zu ziehen – aber diesmal sind wir nicht mit ins Becken gesprungen. Wir haben sie spielen lassen, aber nicht spielen dürfen. Schön für die Statistik: Tore. Schön fürs Gefühl: Wir waren da.
Und dann: Wir machen’s uns selbst wieder spannend…
So ab Richtung Schlussphase kam dann dieser klassische Moment, den ich persönlich nicht liebe: Wir führen, haben das Ding eigentlich im Sack – und sammeln Zeitstrafen wie Panini-Bilder.
Plötzlich wird aus „souverän“ wieder „Herzfrequenz 180“.
Und das Verrückte ist: Nicht weil Bruchhausen-Vilsen uns komplett auseinander nimmt – sondern weil wir ihnen durch Unterzahl und Hektik das Comeback-Ticket selbst ausdrucken.
28:27 – 7 Sekunden – 4 gegen 6
Dann diese Schluss-Szene, die du dir eigentlich einrahmen kannst:
28:27 für uns.
Noch 7 Sekunden.
Wir bekommen tatsächlich noch einen Freiwurf.
Aber: Wir sind nur noch 4 gegen 6 Feldspieler.
Und da kommt der Torwart-Moment, den Außenstehende nie verstehen werden – dieses schnelle Rechnen im Kopf:
„Wenn wir hier den Ball verlieren und die rennen an, kassieren wir noch einen – und dann stehst du da wie der Depp.“
Also triffst du diese Entscheidung, die entweder genial oder komplett irre ist – und die sich im Zweifel genau dann rechtfertigt, wenn sie aufgeht:
Du nimmst den Freiwurf selbst – von ungefähr 12 Metern vor deinem Tor – und knallst das Ding maximal weit nach vorne in den gegnerischen Raum.
Die Idee: Selbst wenn der Ball nicht sauber verwertet wird – die Uhr ist dann unser sechster Mann. Bis Bruchhausen-Vilsen aus dem Ballgewinn noch ein Tor macht? Sehr sportlich.
Und dann passiert exakt das, was passieren muss, damit alle nochmal kurz sterben:
Langer Pass in den Lauf – Mitspieler kommt ran – vertändelt.
Bruchhausen-Vilsen kriegt den Ball 2 Sekunden vor Schluss.
Und jetzt kommt der Teil, den ich am meisten feiere:
Sie schaffen kein Tor mehr.
Aus. Ende. Halle. Durchatmen.

Fazit
Revanche gelungen – und zwar nicht irgendwie, sondern mit diesem kleinen Extra-Gefühl von „Hinspiel ist abgehakt“.
Aber (konstruktiv kritisch, du kennst mich): Wir müssen aufhören, Schlussphasen durch Zeitstrafen zum Glücksspiel zu machen. Das war unnötig knapp, obwohl wir es eigentlich souverän hätten nach Hause bringen können.
Trotzdem: 28:27 ist ein Statement.
Und deine Freiwurf-Entscheidung war genau diese Mischung aus Spielintelligenz und Torwart-Dreistigkeit, die ich persönlich liebe. Nicht hübsch – aber maximal effektiv.
